Die richtige Entbindungsklinik finden: Ein Wegweiser für werdende Eltern in Wien

Die Wahl des richtigen Krankenhauses für die Geburt deines Kindes ist eine der wichtigsten Entscheidungen während der Schwangerschaft. In Wien haben du glücklicherweise verschiedene Möglichkeiten, die auf deine individuellen Bedürfnisse und Wünsche zugeschnitten werden können. Dieser Leitfaden hilft dir dabei, die richtige Wahl zu treffen und erklärt den Anmeldeprozess sowie wichtige Entscheidungsfaktoren für deine Geburt in einem Wiener Krankenhaus.

Geburtskliniken in Wien – dein Überblick

Wien verfügt über ein breites Angebot an Geburtskliniken. Zu den öffentlichen Einrichtungen zählen das AKH (Allgemeines Krankenhaus), die Klinik Hietzing, Klinik Floridsdorf, Klinik Landstraße, Klinik Favoriten, Klinik Donaustadt und die Klinik Ottakring. Dazu kommt das St. Josef Krankenhaus der Vinzenz Gruppe, das mittlerweile die größte Geburtsklinik Österreichs ist. Für Privatversicherte stehen zudem Einrichtungen wie die Privatklinik Döbling, das Goldene Kreuz oder das Rudolfinerhaus zur Verfügung.

Jede dieser Kliniken hat ihre eigene Philosophie und spezifische Angebote. Das St. Josef Krankenhaus beispielsweise setzt auf das Konzept der “hebammengeleiteten Geburt”, bei der die Frauen ausschließlich vom Hebammenteam betreut werden, solange alles unauffällig verläuft. Andere Häuser haben möglicherweise unterschiedliche Schwerpunkte oder Besonderheiten, die für deine Entscheidung relevant sein könnten.

Zentrales Anmeldesystem und direkte Klinikkontakte

Seit Februar 2019 vereinfacht das zentrale Anmeldesystem unter www.geburtsinfo.wien oder telefonisch unter 1450 die Geburtsplanung in öffentlichen Wiener Spitälern. Dieses Portal ermöglicht es werdenden Eltern, sich frühzeitig mit ihren persönlichen Daten zu registrieren und bis zu drei Wunschkliniken anzugeben. Der Zeitpunkt der Reservierungsbestätigung ab der 22. Schwangerschaftswoche gibt ausreichend Planungssicherheit, während gleichzeitig die Kapazitäten der Kliniken optimal genutzt werden. Sollte keine der Prioritätskliniken verfügbar sein, weist das System automatisch eine wohnortnahe Alternative zu – ein Sicherheitsnetz für alle Fälle.

Alternative: Direktkontakt mit Geburtskliniken

Parallel zum zentralen System besteht die Möglichkeit, frühzeitig direkt mit Wunschkliniken zu kommunizieren – besonders relevant für Privatspitäler wie das Goldene Kreuz oder das Rudolfinerhaus. Dieser Weg bietet zwei strategische Vorteile:

1. Planungsvorlauf: Bei risikoarmen Schwangerschaften können Eltern bereits im ersten Trimester ihren Geburtsort fixieren und damit verbundene Angebote wie Schwangerschaftsyoga, Geburtsvorbereitungskurse oder Hebammensprechstunden optimal nutzen.
2. Ressourcenkoordination: Früh angemeldete Patientinnen erhalten priorisierten Zugang zu Spezialangeboten wie Wassergeburten oder Continuity-of-Care-Modellen mit festen Bezugshebammen.

Entscheidungsfaktoren für deine Wahl
Medizinische Betreuung und Sicherheit

Besonders bei Risikoschwangerschaften ist die medizinische Ausstattung entscheidend. Für Schwangere mit chronischen Erkrankungen, Mehrlingsschwangerschaften oder bei Komplikationen ist das Krankenhaus jedenfalls der richtige Ort.


Philosophie der Geburtshilfe

Einige Kliniken setzen auf eine möglichst natürliche Geburt, andere bieten umfassende Schmerzlinderungsmethoden an. Informieren du sich über die Dammschnittrate (im St. Josef Krankenhaus beispielsweise nur 3,7%) und den generellen Umgang mit Geburten in der jeweiligen Klinik.


Betreuungsmodelle

Die kontinuierliche Betreuung während der Geburt ist für viele Frauen wichtig. Informieren du sich, ob regelmäßige Schichtwechsel stattfinden oder ob du die Möglichkeit haben, mit einer Wahlhebamme zu entbinden.


Räumlichkeiten und Atmosphäre

Die Atmosphäre im Kreißsaal kann Einfluss auf dein Wohlbefinden während der Geburt haben. Viele Krankenhäuser bieten Informationsabende an, bei denen du die Räumlichkeiten besichtigen können.


Stationäre oder ambulante Geburt?

In Wien haben du grundsätzlich die Wahl zwischen einer stationären und einer ambulanten Geburt:


Stationäre Geburt

Bei einer stationären Geburt bleiben du nach einer natürlichen Geburt üblicherweise zwei bis drei Tage im Krankenhaus. Nach einem Kaiserschnitt verlängert sich dieser Aufenthalt. Diese Zeit dient nicht nur der Erholung, sondern auch dem Kennenlernen deines Kindes und dem Erlernen von Stillen und Babypflege unter fachkundiger Anleitung.

Ambulante Geburt

Bei einer ambulanten Geburt können du, wenn alles komplikationslos verläuft, bereits wenige Stunden nach der Geburt mit deinem Kind nach Hause gehen. Die Nachbetreuung erfolgt durch eine Hebamme, die in den ersten fünf Tagen täglich zu dir nach Hause kommt. Wichtig ist, dass du diese Betreuung bereits während der Schwangerschaft organisieren und mit einer freiberuflichen Hebamme vereinbaren.

Die Rolle der Wahlhebamme

Eine Option, die in einigen Wiener Krankenhäusern angeboten wird, ist die Entbindung mit einer Wahlhebamme. Diese Hebamme betreut du während der gesamten Schwangerschaft, ist bei der Geburt durchgehend für du da und übernimmt auch die Nachbetreuung im Wochenbett.
Die Kosten für eine Wahlhebamme (inklusive Rufbereitschaft) belaufen sich auf etwa 1.800-1.900 Euro und werden von der Krankenkasse nicht refundiert. Diese Option ist in Wien unter anderem in der Klinik Floridsdorf, im AKH, im St. Josef Krankenhaus und in verschiedenen Privatspitälern möglich.

Informieren du sich persönlich

Die beste Entscheidung können du treffen, wenn du sich umfassend informieren. Besuchen du Informationsabende in verschiedenen Krankenhäusern, tauschen du sich mit anderen Müttern aus und sprechen du mit deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen über deine individuellen Bedürfnisse und mögliche Risikofaktoren.
Denken du daran: Die Wahl des Krankenhauses sollte zu deinen persönlichen Vorstellungen von der Geburt passen und dir ein Gefühl der Sicherheit geben. Letztendlich geht es darum, dass du sich während dieses besonderen Ereignisses wohl und gut aufgehoben fühlen.